07. Mai 2026: Das KZ-Unterriexingen – Vortrag von Hans Bader im Seminarraum

Hans Bader referiert vor den interessierten Zuhörern.

Im gut besuchten Seminarraum hielt Hans Bader vom Bürgerforum Unterriexingen einen sehr informativen Vortrag über das KZ Unterriexingen. Nur ca. 8 km vom Vaihinger Lager entfernt und von dort mit Lebensmitteln versorgt wird es von Überlebenden als Totenlager beschrieben. In seiner kurzen Existenz von Anfang November 1944 bis Mitte März 1945 sind etwa 360 Häftlinge gestorben. 250 von ihnen wurden ursprünglich in Unterriexingen in Massengräbern verscharrt, 113 in Vaihingen bestattet. Eine eindrückliche Beschreibung über die Zustände gibt Jules Schelvis, holländischer Jude, der am Ende seiner Leidenszeit sowohl Vaihingen als auch Unterriexingen überlebte. In seinen Erinnerungen “Eine Reise durch die Finsternis“ schreibt er über seine Ankunft in Unterriexingen: „Als ich aus dem LKW sprang, blieb ich sofort im dicken Schlamm stecken. Außerhalb der Umzäunung war ein kleiner Appellplatz. (…) Dort hatte sich bereits der Kommandant in einer Pose aufgebaut, als sei er der Befehlshaber einer Armee. (…)

Nachdem wir gezählt worden waren und der Kommandant uns eine Weile gemustert hatte, befahl er im Stakkato: Wegtreten!“ Und weiter. „In den Lagern musste man oft auf die Latrine, sobald man eine Schnitte Brot gegessen hatte und die dünne Suppe getrunken hatte. Wir blieben so lange dort, weil die Wächter diesen Ort weitgehend mieden. (…) Papier zum Abputzen gab es nicht. Wie alle anderen benutzte ich zu diesem Zweck den linken Mittelfinger. (…) die bloßen Füße voller Kot, die Holzpantinen in der Hand kehrte ich in die Baracke zu Leo zurück. (…) Von diesem Augenblick an wusste ich, dass Unterriexingen ein Totenlager war.“

„Vernichtung durch Arbeit“ war das Motto der Nazis. Das geschah in Unterriexingen. Unter sehr harten Bedingungen wurden die Häftlinge unter strenger Aufsicht der 30 Wachmänner größtenteils auf dem Flugfeld Großsachsenheim, am Steinbruch Großsachsenheim und beim Stollenbau Gallinit am Berg in unmittelbarer Nähe zur Enz eingesetzt. Es sollten dort unterirdisch Daimler LKW produziert werden. Insgesamt waren vier Stollen und ein Querstollen geplant. Davon wurden 421m Stollen vollendet. Weil es trocken und die Temperatur konstant war, war es Schelvis wichtig, im Stollenbau eingesetzt zu werden. Die Überlebenschancen waren dort am größten.    Zwischen dem 1. und 9. März 1945 wurde das Lager geräumt. Die 350 Arbeitsfähigen wurden nach Neckarelz gebracht, 167 Kranke kamen nach Vaihingen. Die Toten in den Massengräbern wurden 1947 auf Geheiß der Militärregierung exhumiert und auf dem jetzigen KZ-Friedhof Unterriexingen beigesetzt.

Die Enz (dunkel im unteren Teil) bei Unterriexingen und die Arbeitsstätten der KZ-Häftlinge: links oben das Großsachsenheimer Flugfeld, links unten in der Kurve der Straße der Sachsenheimer Steinbruch und östlich der Enzbrücke und nördlich der Enz der Bereich der Stollen (Luftbildaufnahme vom 16.3.1945)

In den Nachfragen der Zuhörer ging es um das Verhalten der Einwohner Unterriexingens während der Existenz des Lagers, aber auch um den Umgang damit in der Nachkriegszeit. Es war ein langer Weg bis die grausamen Ereignisse, auch öffentlich benannt wurden. Erst durch Informationstafeln 2013 auf dem KZ-Friedhof und an der Kreisstraße zwischen Unterriexingen und Oberriexingen 2025 sowie durch die Kenntlichmachung der Lagerausmaße mit Pfosten 2025 ist dies gelungen. Dafür und für den eindrücklichen Vortrag bedankte sich Vorstandssprecher Rainer Mayer von der KZ-Gedenkstätte Vaihingen/Enz bei Hans Bader am Ende des Abends herzlich.